26.05.2017

Briefwechsel J.W.v.Goethe und C.F.Zelter: An Goethe 05.11.1825 (481)



483. An Goethe 05.11.1825

Sonnabend früh, den 5. November 1825. 

Soeben, da Deine Rübchen zur Post wandern, erscheint der gute Herr Kaufmann und bringt mir Deinen Liebesbrief vom 3. dieses mit den Medaillen — und Kopfschmerz und Flußfieber gehn über alle Berge, wo sie weiten Weg zu machen haben.

Bei der Gelegenheit erfahre nun, daß man übermorgen Dein Jubiläum feiert. Ja, hätte ich das eher gewußt, so brauchte man nicht krank zu werden, woran mir ohnehin nichts liegt. Je bequemer man es hat, je leichter fällt man zusammen.

So mögen sie denn in Weimar ihre Sachen nur ordentlich vollbringen; an Zeit, Gelegenheit, Materi und all dergleichen hat’s nicht gefehlt, wie sie ihnen sobald nicht wieder dürfte[n] geboten werden. Ich an meinem Teile will unterdessen mit unsern Göttern Rücksprache nehmen, die bis daher so redlich bei uns ausgehalten haben. Sind sie nicht zärtlich, so sind sie doch groß und gnädig gewesen.

Uber unsere Postangelegenheit bitte außer Sorge zu sein und ja keinen Brief eine Stunde länger liegen zu lassen. Hat unsre Korrespondenz keine Eile, so haben wir beide keine Zeit zu verlieren, und ich möchte mich im Grabe umwenden, wenn ein Brief von Dir nach meinem Tode käme.

Bei mir ist mancherlei Nachfrage nach den drei Medaillen, die Dein und Deiner Herrschaft Bildnisse tragen; ich wünsche daher zu wissen, ob und wo sie zu haben sind und was sie kosten. Kannst Du mir darüber Auskunft geben, so tue es bald.

Über den Fortgang Deiner neuen Ausgabe bin ich sehr erfreut und bitte meinen Namen in die Zahl der Zahlenden aufzunehmen; denn schenken und geschenkt nehmen ist hier nicht am Orte. Ein tüchtiges Stück Geld mag Deinen Nachkommen zu Recht werden, und — darf ich ein Vater -und Freundeswort dazu geben, so erinnere an den guten Wieland und an den Reim von der Keule. Auch ich habe einen guten Sohn und zwar nur noch den Einen, aber Er hat auch mich, und wenn einer fällt, fallen zwei.

Ich weiß, zu wem ich rede, Du nimmst mir das nicht übel. 1 )u hast viel mehr erfahren und bist ein anderer Kerl; wir aber haben’s auch nach unserm Maß genossen, dünn und dick, und Gott weiß, wie ich’s getragen hätte, wenn Dein herkulisches Vorbild nicht vor mir einher gegangen wäre. Schlaf wohl! es ist Sonntag.




alle Briefe an Charlotte                                                                                                weiter




Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Nachrichten an:

geologe.ef@gmx.de