03.05.2017

Gedichte von Carl Siebel: Der Teufel (9)



Der Teufel

Und als der Mensch geschaffen war,
Da trat zu ihm der Engel Schaar.

Und einer sprach: „In Ewigkeit
Sei unser Gott gebenedeit!“

Und alle sangen engelmild:
„Schaut an Jehovah' s Ebenbild! „

Und vor dem Menschen neigen sich
Die Engel alle feierlich.

Indessen Gott in Frieden ruht;
Denn was er schuf, war schön und gut.

Ein einz' ger Engel ferne stand
Sein hohes Antlitz abgewandt.

„Das ist ein Bild der Gotteskraft,-
Ich bin die Kraft, die Thaten schafft!

„Ich Erster aus der Engel Heer,
Ich soll mich neigen? Nimmermehr!“

Da floh'n die Engel alle fort;
Voll Stolz blieb er am selben Ort.

„Eh' daß ich bin dir unterthan,
Künd' ich dir ew'ge Feindschaft an;

Ja, offnen Kampf und schlauen List,
Bis daß du mir geknechtet bist!“
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Weil dieser Engel war zu groß,
Verbannte ihn des Himmels Schooß.

Die andern Engel sangen mild:
„Schaut an Jehovah' s Ebenbild!“

Vor Menschengröße beugen sie
Auch heut' noch demuthsvoll ihr Knie. 

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