2017-05-01

Gedichte von F.M.Wendt: Die junge Fliege (5)



Die junge Fliege

„Sum, sum! Ruh' aus dir Flüglein und Füße,
Schlaf' ein und träum' von des Zuckers Süße!
Schau nicht nach dem Licht, dem glänzenden,
dort,
Lass warnen dich durch der Mutter Wort!
Die Tücke der Flamme du noch nicht kennst,
Sie lockt dich, bis du dich zu Tode verbrennst.
Ach stürbest, mein Kind, du so jämmerlich,
Wie müsste klagen die Mutter um dich.“

Die junge Fliege, sie hörte nicht;
Es blitzte so schön das helle Licht.
Sie summt ringsum immer näher und schneller,
Sie fühlt's immer wärmer, sie sieht's immer
heller.
„Ei“, ruft sie, „hinein nun mit keckem Muth“!
O weh, da verzehrt sie die lodernde Glut!
Versenkt die Flügel, am Leib ganz verbrannt,
So zappelt sie sterbend am Leuchterrand.

„O Mutter, o Mutter, ach hört ich auf dich,
So müsst' ich nicht sterben jetzt jämmerlich!
Ach Mutter, wie wirst du dich grämen um

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Nachrichten an:

geologe.ef@gmx.de