2017-05-04

Gedichte von L.F.G. Goeckingk: Herbstlied (2)



Herbstlied

Hu hu! wie kommt der Wind so kalt
Schon über die Stoppel gelaufen!
Wie färbet sich so gelb der Wald,
Und wie versammlen sich so bald
Die Schwalben zum Abzug' in Haufen!
Die Wiese dampft, der Brocken braut, Und schüttelt, Schauer auf Schauer,
Den Regen ab; durch Nebel schaut
Die Sonn' herab, wie eine Braut
Gehüllet in düstere Trauer.
Ein Heer von Droßeln kommt vom Rhein',
Im Schimmer des Morgens, gezogen;
Doch manche wird bei Hespers Schein
Bereits des Amtmanns Speise seyn,
Durch röthliche Beeren betrogen.
Der Cantor sondert nun das Wachs
Vom goldgelben Honig der Scheiben;
Die Dirne sonnt den grauen Flachs,
Der Jäger gräbt, um Fuchs und Dachs
Hervor aus dem Baue zu treiben.
Wir suchen das Kamin nunmehr,
Ohn' ewig aufs Wetter zu schmälen.
Ist unser eigner Kopf zu leer,
So soll Herr Mars von Land und Meer
Uns etwas neues erzählen.
Süß mag es seyn, fürs Vaterland
Als Held zu sterben mit Freuden;
Doch haben wir so viel Verstand,
Um Fürstengeitz und Vaterland
Ein wenig zu unterscheiden.
Laßt uns, bei dieser Schaale Punsch,
Dem Himmel danken, ihr Lieben!
Daß wir, nach unsrer Jugend Wunsch,
Nicht da sind, wo die Schaalen Punsch
Von Kugeln in Scherben zerstieben.
Von unsern Thaten am Kamin',
Schweigt zwar der Fama Posaune,
Doch unser Schlaf wird nicht entfliehn
Vor einem Rochambeau und Green,
Und Boreas tückischer Laune.
Herr Boreas stört nicht den Klang
 Von unsern warmen Pokalen,
Und nicht den lautern Lobgesang,
Den wir dem Herbst', aus altem Hang'
Zu reichen Weinlesen, bezahlen.

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