06.05.2017

Gedichte von L.F.G. Goeckingk: Zur Versöhnung (14)



  Zur Versöhnung

Brause nicht mit deinen Flüchen länger
In des abgehärmten Mädchens Ohr;
Oeffne du nicht selbst, geliebter Sänger,
Ihr das Todesthor.
Denn vielleicht, nur eben durchgegangen,
Würd' es schon vor deinen Blicken klar,
Und du sähst zu späte, statt der Schlangen,
Liljen um mein Haar.
Steh' und poche dann! Wird er dich hören?
Lieg' und bettle deine Kniee wund:
Werd' ich darum jemals wiederkehren
Aus des Todes Schlund?
Mit Gewalt – ich kenne deine Hitze! –
Sprengst du, mich zu suchen, wohl das Thor;
Aber ach! du dringst zu meinem Sitze
Mit Gewalt nicht vor.
In dem Lande, wo man nur die Treue
Und den Frieden, ihren Bruder, kennt,
Weiß man nicht, was dieser Erdball Reue
Oder Thränen nennt.
Hier, nur hier, ist's möglich, deinen Jammer
Umzuschaffen in der Liebe Ruh';
Führe denn, o Liebe! meiner Kammer

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