29.07.2017

Gedichte von C.D.F.Schubert: An die Tonkunst (2)



An die Tonkunst

Göttin der Tonkunst, auf purpurnen Schwingen
Kamst du von Sion zu Menschen herab;
Lehrtest sie flöten, und spielen, und singen,
Griffst in die Harfe, die Jova dir gab.
Thiere und Pflanzen
Strebten zu tanzen;
Kummer und Schwermuth mit wolkigem Blick
Wichen dir, mächtige Göttin! zurück.

Jetzt töntest du der Liebe Freuden
Ins hohe Harfenspiel.
Du sangst von Minneseligkeiten,
Und jede Note war Gefühl.
Göttin der Tonkunst, auf purpurnen Schwingen
Kamst du von Sion zu Menschen herab!

Jetzt fingst du an zu spielen
Den stummgewordnen Schmerz,
Bis süße Thränen fielen
Und lüfteten das Herz.
Göttin der Tonkunst, auf purpurnen Schwingen
Kamst du von Sion zu Menschen herab!

Jetzt rauschten die Saiten
Von hüpfenden Freuden;
Es kam im blühenden Kranz
Der wirbelnde schwäbische Tanz.
Göttin der Tonkunst, auf purpurnen Schwingen
Kamst du von Sion zu Menschen herab!

Nun schwang die Göttin sich zum Chor
Der Feiernden im Gotteshaus empor,
Und griff mit mächtiger Faust
Ins Orgelspiel: die Töne flogen
Brausend empor – so braust
Der Ocean mit seinen Wogen –
Und Hallelujah donnerte der Chor
In Fugen zum Himmel empor.
Göttin der Tonkunst, auf purpurnen Schwingen
Kamst du von Sion zu Menschen herab!

Und nun sangst du ein Kirchenlied;
Die Andacht mischt sich drein,
Die betend vor dem Himmel kniet;
Und singend schlief sie ein.
Göttin der Tonkunst, auf purpurnen Schwingen
Kamst du von Sion zu Menschen herab!
Lehrtest sie flöten, und spielen, und singen,
Griffst in die Harfe, die Jova dir gab.
Thiere und Pflanzen
Strebten zu tanzen;
Kummer und Schwermuth mit wolkigem Blick
Wichen dir, mächtige Göttin! zurück.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Nachrichten an:

geologe.ef@gmx.de