2017-07-29

Gedichte von C.D.F.Schubert: Jägerlied (37)



Jägerlied

Hans, Hans der edle Hirsch ist todt!
Die Thierwelt klagt um ihn,
Und wer ihm Trank und Speise bot,
Seufzt kläglich: Hans ist hin.
Der Jäger singt ein banges Lied,
Es horcht der Wald umher;
Denn Hans, der Stolz der Solitude,
Karls Liebling ist nicht mehr.

Weiß wie das Licht war unser Hans,
Ein Bild aus Duft gewebt,
Versilbert von des Mondes Glanz,
Das auf dem Hügel schwebt,
Wie Ossian in stummer Nacht
Oft vor sich schimmern sah;
Stand kaum in solcher Wunderpracht,
Wie Hans der Edle da.

Doch seine vierzehn Enden nicht
Und seiner Farbe Glanz
Besinge unser Klaggedicht;
Weit edler war der Hans.
So liebt' kein Menschenphilosoph
Wie er, die Einsamkeit;
Drum hat er das Geräusch am Hof
Der Hirschewelt gescheut.

Nur einen Freund hat er gewählt;
Hans dachte so dabei:
Wer viele Hirschefreunde zählt,
Dem ist oft keiner treu.
Auch war er schamhaft, war so keusch
In seinem Lebenslauf,
Und ohne brausendes Geräusch
Sucht er die Hirschkuh auf.

Noch mehr liebt' Hans die Menschen all,
War ihnen hold und treu,
Und flog, gelockt durch Pulverknall,
Wie Lichtesstrahl herbei.
Beleidigte die Menschen nie,
Nahm Speis' aus ihrer Hand,
Und legt sich freundlich unter sie,
Als hätt' er auch Verstand.

Doch immer dacht' er groß und frei,
(Wer frei denkt, denkt auch groß)
Und drohte man mit Sklaverei,
Riß er sich muthig los.
So gern er fraß, so zog er doch
Des bittern Hungers Tod
Weit vor dem niedern Sklavenjoch,
Womit man ihn bedroht.

Und doch – auch edle Hirsche drückt
Die Last der Eitelkeit –
Hat er zwölf Lenze nur erblickt;
Wie kurz war seine Zeit!
Verendet hat das edle Thier,
Ein Frühlingslüftchen kam,
Das unsern Hansen sanft von hier
Ins Reich der Schatten nahm.

Auf einem Karren führen ihn
Die Jäger nun zur Ruh',
Und scharren mit betrübtem Sinn
Den todten Hansen zu.
Die guten Jäger stehen stumm,
Ihr Hans hat nun verend't;
Und pflanzen um sein Grab herum
Ein Hirschenmonument.

Die junge Eiche lieblich steht,
Streut Blätter auf sein Grab;
Der Fruchtbaum, wenn ein Lüftchen weht,
Wirft goldne Frucht herab;
Der Rosenstock verbreitet Duft
Im Frühlingssonnenglanz.
Das Jagdlied klagt: In dieser Gruft
Verwes't der edle Hans.

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