2017-07-29

Gedichte von C.D.F.Schubert: Klage (38)



Klage

Kein Cedernbaum von Libanon,
Kein Lorbeer aus Apollos Haine,
Kein Pindus und kein Helikon
Zum Göttersitze für die Neune –

Kein Tempe blühet um mich her,
Kein Schäferland, der Zeiten Wunder;
Mein Himmel hängt von Donnern schwer,
Schwarz wie die Nacht, auf mich herunter.

Aus keinem dunklen Busche wallt
Für mich ein Lied der Philomele,
Aus Trümmern alter Schlösser schallt
Des Uhus Gram aus rauher Kehle.

Nie seh' ich, falscher Bacchus, dich
Aus der krystallnen Flasche winken,
Mit Fischen muß ich kümmerlich
Im Wasser meinen Durst vertrinken.

Statt weicher Rasen sitze ich
Auf zugespitzten harten Felsen,
Und seh' es, wie sich fürchterlich
Die Ströme in die Thäler wälzen.

Wenn giftgeschwollne Hydern mir
Die dreigespitzte Zunge weisen;
So flieh' ich, daß die Dornen mir
Das Fleisch von meinen Fersen reißen.

Ich trage – Schweiß im Angesicht!
Die Last herkulischer Geschäfte;
Nur Herkuls Keule hab' ich nicht,
Und seiner Schultern Riesenkräfte.

Doch mitten in dem Kummer braust
In meiner Brust olympisch Feuer,
Und stürmend schlägt die kühne Faust
Die Silbersaiten meiner Leier.

Oft tönt sie wie ein Wetter laut,
Um meine Furcht zu überschreien,
Wenn der erschrocknen Seele graut
Vor Stürmen, die ihr zürnend dräuen.

Wenn zahlreich, wie ein Bienenschwarm,
Die Narren sich um mich verbreiten;
So zupft ein Satyr mich beim Arm
Und deutet komisch auf die Saiten.

Dann brummt der Baß zu ihrer Schmach
In Juvenalischen Gesängen:
Der Satyr geißelt hinten nach,
Und lehrt die fetten Thoren springen.

Doch schleicht die Elegie mir nach
Mit rothem Aug' und starren Füßen;
So lass' ich einen Thränenbach,
Wie Blut aus Abels Wunde, fließen.

Fällt einst mein Trost, die Leier, mir
Aus zitternden entnervten Händen;
So mag Apoll an Gräbern hier
Mein durchgeseufztes Leben enden.


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