2017-07-29

Gedichte von K.W.Rammler: Abschied von den Helden (1)



Abschied von den Helden

Nicht Friedrichs Helden, welche der Brenne liebt,
Schwerin und Heinrich, Bevern und Winterfeld,
Nicht jeder Gwelse nur und Seidlitz
Sind der gewaltigen Hymne würdig.

Auch ihr, der Staaten friedliche Wächter, habt
Ein hohes Recht an unsern geflügelten
Gesängen; auch der tapfre Richter
Mächtiger Frevel und armer Unschuld;

Auch deren Geist dem immer erneuerten
Geschlecht der Menschen Güter und Künste fand;
Auch wer allwachsam seinen Bürgern
Ueberfluss, Sitte, Gesundheit austheilt.

Noch viele goldne Pfeile ruhn unversucht
Im Köcher eines Dichters, der frühe schon
Sein Leben ganz den liederreichen
Schwestern Uraniens angelobt hat;

Der, hoffend auf die Krone der Afterwelt,
Den bürgerlichen Ehren entsagete;
Der alle Wege, die zum Reichthum
Führen, verliess: ein zufriedner Jüngling.

Verleiht, bevor diess Haupthaar der Reif umzieht,
Ein guter Gott mir Einen Aonischen
Mit Bächen und Gebüsch durchflochtnen
Winkel der Erde: so sollen alle

Durch alle Winde fliegen, den Weisesten
Ein süsser Klang, dem Ohre des blöden Volks
Unmerklich. – Ungeschwächt soll ihre
Töne der Brittische Barde trinken;

Sie sollen hell den Himmel Ausoniens
Durchwirbeln; (dort war ehmals ihr Vaterherd:)
Auch Galliens vergnügter Sänger
Höre den Nachhall, nicht ohne Scheelsucht.

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