2017-07-29

W. Waiblinger: Gedichte des römischen Karnevals: Gedichte aus Latium und den Sabinerbergen (10)



Gedichte aus Latium und den Sabinerbergen

Epigramme aus Latium

Cori

Deine Berge sie blühn in parthenopäischer Fülle,
Südliche Lüfte, wie froh grüßt' euch mein Auge, mein Herz!
Ja, hier bin ich bezaubert, und wär's auch ein Wunder, vom Meere
Lockt ja die griechische Fee mich in ihr magisches Netz.

Tempel in Cori

Bist du des Helden Tempel, der hier dem blumigen Felsen,
Einem Elysium hier, Myrthen und Rosen entragt,
Wahrlich dann bauten die Grazien dich, zum lieblichsten Denkmal,
Daß dir die Göttin den Trank ewiger Jugend gereicht.

Monte Cavo

Wär' ich vielleicht im Olymp? Hier seh' ich Fabel, Geschichte,
Rom, Aeneas, Ulyß und die homerische See,
Ist es der Pegasus, der den Wandrer zum Berge herauftrug?
Nein! die moderne Welt kommt hier zu Esel herauf.

Monte Porzio

Stehst du auf Tusculums Höh' in der aufgegrabenen Vorwelt,
Suchst du in Trümmern und Schutt Cicero's Villa hier auf,
Dann zum Rebenhügel hinab ins lustige Dörfchen,
Und wie Cicero bald macht dich Freund Bacchus beredt.

Monte Compatri

Lob' ich den Blick in das reizende Land, bis zum blauen Oreste,
Bis zu Tibur, die Lust schatt'gen Kastanienhains,
Wo mich die Nachtigall in schallenden Chören umjauchzet,
Oder schau' ich das Gold nur deines Nektars mir an?

Carzoli

Deine cyclopischen Mauern, die Burg und die maurischen Häuschen,
Längst vergaß ich sie schon, häßliches marsisches Nest!
Aber noch schaudert mich vor dem Wein, vor Essig und Oele,
Deinen Betten und all diesem entsetzlichen Wust.

Alba

Göttliches bietest dem Auge du dar in Thal und Gebirgen,
Hier der Velino, und dort strahlt aus der Tiefe der See!
Einst als Gefangener saß der König Syphax in Alba,
Mir auch hat es, dem Frei'n, Wasser und Brod nur bescheert.

Colli

Wohin steig' ich, Italien noch, nicht Helvetiens Wildniß
Wär's, wo in Wolken und Schnee stöhnend der Wanderer irrt?
Aber noch sind wir im Süden! Es feindet uns zwar die Natur an,
Aber dies südliche Volk nimmt's mit den Deutschen nicht auf.

Schlachtfeld von Tagliacozzo

Thal der Imele, dich grüß' ich! In deinen weiten Gefilden
Sank im verzweifelten Kampf unser Heroengeschlecht!
Drum verehr' ich dich auch, du bist schön, doch gefielst du mir besser,
Hätte Conradin hier, hätte der Deutsche gesiegt.

Avezzano

Freundliche Hügel umgeben das Dorf, den dankbaren Boden
Hat ein fleißiger Schlag südlicher Leutchen bepflanzt.
Heimathlich fühl' ich mich hier, und kehr' ich nach Hause zum Heerde,
Sagt mir ein Mädchen, dir blüht nirgends ein heimathlich Glück.

Fucinersee

Drohend umstarren die spiegelnde Fluth apenninische Felsen,
Und acherontisches Grau'n schattet ins Wasser herab.
Doch Avezzano, es lockt mich zum Strand, ich schweb' auf dem Lethe,
Und das lieblichste Kind ladet zum Mahle mich ein.

Velino

Unerschütterlich glänzt die Schneepyramide zum Himmel,
Römer kamen, es kam selber der Deutsche, sie blieb!
Ja, sie ist ewig, und wäre sie's nicht, sie stürzte zusammen,
Als du die Feldschlacht hier, letzter der Staufen, verlorst!

Abruzzesische Räuber

Lauert mir nur im Gebirg und schreckt mit Dolch und Pistole,
Ziert mit dem blutigen Schmuck glänzender Opfer euch nur.
Mich erschrecket ihr nicht, die unsterbliche Gabe der Lieder,
Aber kein irdisches Gut hat mir der Himmel verliehn.

Classisches in Tibur

Jagst du dem Classischen nach, und ist's dem Barbaren Entzücken,
Nun so sieh, wie mich hier Vorwelt und Mitwelt erfreut!
Ueber der Grotte Neptuns wird gezecht, im purpurnen Becher
Spiegelt sich Tempel und Berg, Hain und die Villa Lukulls.

Rückkunft nach Rom

Seine Beute, die Schätze der Welt, hat der Feldherr, der Cäsar,
Dankbar aufs Kapitol einst im Triumphe gebracht,
Kronen bring' ich dir nicht, mir mangelt selbst noch der Lorbeer,
Nimm meine Lieder dafür, Jupiter Xenius, an!

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