2017-07-29

W. Waiblinger: Gedichte des römischen Karnevals: An den Grafen Platen-3 (36)



3.

Daß ich's aber nur gestehe,
Dieser Lieder heitre Weise,
Dieses schlichte Spiel der Leier
Ruft dich auf zum Wiederklange.
Sei's daß in gewicht'gem Ernste
Du ein Dichterwort mir sagest,
Oder daß die Fröhlichkeit
Dieses Himmels dich beseele!

Zwar verschwieg'ne Zauberhüter
Stehn an deines Herzens Pforten,
Und nur wen'gen läßt du's öffnen,
Wen'ge schauen in die Kammern,
Wo in flammendem Geblüte,
Schöpfrischer Natur geheiligt,
Sich des Goldes Lieblichkeit
Aus der Erde Schooß gerungen.

Doch beim duftigen Elysium
Des Gianicolo, den süßen
Veilchenauen vom Pamfili,
Bei des Pantheons Gewölbe,
Bei des Forums Tempel-Säulen,
Ja bei Roms Titanenbilde,
Wenn's in holder Rosengluth
Unaussprechlich herrlich leuchtet,

Oder kann's dich mehr bezaubern,
Bei Parthenopes Gestade,
Bei den Felsen von Sorrento,
Bei der Einsamkeit von Capri,
Bei dem Anblick all' des Landes,
All' des Meeres auf dem Gipfel
Des Vulkans beschwör' ich dich,
Mir ein Gegenlied zu singen.

Gern verwehe dann das meine,
Ist's ja doch nur leicht und munter,
Wie's die Vögel in Hesperien
Auch an Wintermorgen singen.
Mit Entzücken aber will ich
Dann der Nachtigall verstummen,
Und im tiefsten Lorbeerhain
Ihren sel'gen Tönen lauschen.


Ende


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