13.08.2017

Albert Werfer Gedichte : Der Kranke (12)



   Der Kranke

In einer Sommernacht.

Im Dorfe ist es rings schon stumm und stille,
Es hängt die blanke Sichel an der Wand,
Die heut geschnitten reicher Garben Fülle,
Und müde ruht des Landmanns braune Hand.

Die Schnitterin schläft sanft in ihrer Kammer
Und träumet süß vom nahen Erntefest,
Verklungen ist des Tages Lärm und Jammer,
Kein Laut, kein Ton sich irgend hören lässt.

Nur dort seh' ich noch matt ein Lichtchen schimmern,
Dort unter jenem strohgedeckten Dach,
Hin durch die Stille dringt ein leises Wimmern
Und hin und wieder ein durchdringend Ach!

Dort liegt ein Kranker Schmerz-und Weh-befangen
Und zählt der Stunden langsam öden Lauf-,
Heiß stießen Tränen über seine Wangen,
Matt schaut sein Auge zu den Sternen auf.

O Vater, send von deinen Schnittern Einen,
Die niemals schlummern, hin an diesen Ort,
Heiß schneiden ab für deines Himmels Scheunen
Auch diese Ähre reif zur Ernte dort!

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