13.08.2017

Das Rosenfest (10)



Das Rosenfest

In einem Dörfchen war nach Vätersagen
In Übung jedes Jahr ein schöner Brauch,
Sobald hervor die ersten Rosen brachen
Und dufteten am Hag mit süßen Hauch: neue

Hat sich zu einem Feste eingefunden
Der Jüngling und die Jungfraun blüh'nde Schar,
Aus frischen Rosen ward ein Kranz gewunden,
Gereicht zum Preis alsdann der Jungfrau dar,

Die sich durch Frömmigkeit und stille Tugend
Gezeichnet jenes Jahr vor Allen aus,
Es führte sie des Dorfes muntre Jugend
Mit Jubelschall zurück ins Elternhaus.

Die Feier hieß in jenen bessern Tagen
Das Rosenfest ringsum im ganzen Land,
Die Jungfrau, die den Kranz davongetragen,
Sie ward das Rosenmädchen nur genannt.

Ein schönres Fest noch herrscht im Himmel oben:
Gereicht wird dorten noch ein schönrer Kranz
Der Jungfrau, die, dem Erdenstaub enthoben,
Sich schwang empor in ewg'er Glorie Glanz:

Der Jungfrau, die ihr ritterlich gestritten,
Den guten Kampf und Muth und Ernst gekämpft,
Am Fuß des Kreuzes duldend still gelitten,
Der Leidenschaften Glut in sich gedämpft.

O Anna, wenn der Erde sünd'ge Freuden
Dich lächeln süß und liebesglühend an,
Und wenn sich dieses Leben bittre Leiden
Einflechten Dornen gleich in Deine Bahn.

Kämpf muhtig dann und will Dir brechen, sinken
Zusammen schon der Kräfte letzter Rest,
Sieh dort den Kranz, den nimmerwelcken, winken,
Denk an das Himmels herrlich Rosenfest!

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