2017-08-04

Emil Alphons Rheinhardt Gedichte: Magie des Todes (8)



 Magie des Todes

Wenn die Blutuhr zwischen Traum und Nichtsein
Rast und dreizehn schlägt,
Zwischen Atemzug und Atemzug
Saust die Leere in der eingesponnenen Puppe.
Im Theater schweben über Sitzen
Weiß und rund umdunkelt gewesene Gesichter —
Und bedeuten dich . . . und sind nicht mehr.
In der morgigen Umarmung
Riecht dir jäh das wirre Haar fern und zart ußd alt.
Wind durch Ritzen deiner Wirklichkeit
Reißt das kaum gesagte Wort von einem Munde,
Daß es dir aus Sterbestunden schreit,
Dieses Jetzt-Wort in der warmen Stunde.
In dein Zimmer tritt ein Freund. Vor ihm
Geht der andere, der wirkliche, und gilt
Lauter als die Rede und die Nähe.
In geborgener Sehnsucht des Andante
Bricht die Pause auf und saugt dich ein.
Wenn du jetzt hinaustrittst in die Nacht,
Sagst du dir vergebens: „Ich bin da, hier bin ich!"
Denn dann bist du Nacht und Stadt und Regen,
Bist nicht mehr, was Gestern trennt von Morgen,
Und in demem Bette liegt ein Leichnam.

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