04.08.2017

Emil Alphons Rheinhardt Gedichte: Nachts (11)



 Nachts

Ich kann in aller Müdigkeit
Nicht schlafen gehn.
Ich muß im Zimmer stehn
Und horchen in die Zeit.
O, draußen! Wie der Regen rinnt!
O drinnen! Wie mein Herz beginnt
(Erst fern, wie horizontener Wind) -
Was ist mit mir geschehn?
Mein Gestern ist verstellt.
Mein Heute weiß nur eines mehr,
Und horcht in die getauschte Welt,
Und fliegt, vom Bogen Glück geschnellt,
Hochauf ins Ungefähr.
Aus meiner Müdigkeit
Sucht Blick noch Buch und Bild und Ding.
Doch alles ist in sich gering -
Nur mehr, was du geweiht,
Hält in verflogener Zeit.
Ich selber steh mir da
Aus Heute-Sinn in Morgen-Sinn,
Versteckt in jetzt und Kabbala
Des Wunders, das ich morgen bin.
Schick du mich schlafen, Spiel,
Hingehendes um Gegenstand!
Ich bin mir viel zu viel.
Raff alles in die Hand -
Und leg mich klein in Schlaf hinein,
In Dein- und Indirsein.

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