04.08.2017

Emil Alphons Rheinhardt Gedichte: Stille (14)



Stille

Die Gier verbirgt, was ahnend zart
Und großer Art im Abend klagt.
Umarmung würgt ein Heimweh sacht.
Das Gleichnis Lust ist stubeneng:
Ein kleiner Himmel dünstet falb —
Blind stiert der stete Sinn empor,
Der Wahn-Sinn zum Lebendigen.

Bild, das verbirgt, Wort, das verträgt . . .
In großer Stille harrt das Sein,
Das aus dem Nest von Gleichnis fiel,
Und nennt nichts mehr und ist sich schwer
Und sieht das Glück der Augen leer.
Nichts kommt, nichts geht, die Zeit ist still
Und alle Dinge atmen schwer.
Manchmal zur Nacht, der Wind schläft ein,
Geht einer an sein Fenster, schaut,
Und sieht den Himmel groß.
Und schaut sich an und ist sich gut,
Und ohne Wort und außer Bild,
Mit seinem Atmen, seinem Stehn
Ist er schon allen Menschen mild.
Ein alter Mensch, der Kohlen trägt.
Die abgezehrte Wöchnerin,
Die Kinder in den Vorstadtparks,
Ein leicht verratner Freund von einst.
Und alles, was die Gier verbarg,
Der Säufer, der Verbrechersarg
Ist Ding vor seinem Sinn.
Nun stets zur Nacht, der Wind steht auf,
Geht einer an sein Fenster, schaut,
Und weiß kein Wort mehr. Großer Art
Geschieht er sich, geoffenbart und Ding vor seinem
Sinn.

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