2017-08-04

Emil Alphons Rheinhardt Gedichte: Warten im Abend (17)



      Warten im Abend

Nun geistert Geist durch die entlaubten Herzen
Und gräbt im Abgefallenen nach Gefühl.
Die Abendhimmel frieren in Vorstädten.
O kindheitsferne müssen Wiesen riechen
Und hinter der roten Ziegelwelt,
Im Heulen des Eisens,
Muß noch Gesang aus Wäldern,
Aus entflohenen Fernen sein.
Und in der Mächte abgelebtem Requisit,
Dem welken preisgegebenen Schoß,
Der abends im Schatten der frierenden Blöcke
Über die blauen Terrassen
Schwer seine sinnlose Scham schleppt,
Muß noch das Ungeheuere,
Versteint in Jahren und Elenden,
Frühestes tödlich süßes Erwachen
Aus erster Liebe wohnen.
O verstummtes Hingeworfensein!
Abfall am Rande des Ewigen,
Das doch noch Wald treibt,
Große Monde
Zum ersten Male aus reiner Nacht hebt.

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