05.08.2017

Felix Dahn: Gedichte- Das Taubennest (7)



Das Taubennest

Im Geschatt von dichten Zweigen
Lag ich tief im Eichenhag,
Ringsum Waldesmittagschweigen:
Fern nur Spechtes Schnabelschlag.

Und ganz leise mir zur Seiten
Rann der Moosquell wispernd hin:
Drüber der Libelle Gleiten,
Der beschwingten Schweberin.

Und ich dachte: »Schön ist's einsam:
Sang und Traum naht keinem Paar:
Aber schöner ist's gemeinsam:
Da wird Sang und Traum erst wahr.

Walther, war es dir zum Besten,
Daß stets einsam bliebest du?« – – –
Horch, da hoch aus grünen Ästen
Scholl's hernieder: »Rukuruh!«

Oben in den Wipfellauben,
Tief im lauschigsten Versteck,
Lag ein Nest von wilden Tauben
Und sie ätzten das Geheck.

Und ich sah – ich sah's mit Neiden,
Ich, der ungeweibte Mann, –
Wie so eifrig da von beiden
Liebgetreues Werk begann.

Wie die Täubin, nimmer säumig,
Flog zu Nest, gefüllt den Kropf,
Wie der Nestling, wollefläumig,
Reckte Fittich, Schopf und Kopf.

Wie dann auch der Tauber kehrte,
Fütternd wechselnd mit dem Weib,
Und dazwischen gurrend lehrte
Süßer Weisen Zeitvertreib. – –

Herrin, ach von stolzem Sinne!
War der Sänger dir zu arm?
Seine Treue, seine Minne
War wie keine treu und warm! –

Walther auf! – Es neigt die Helle,
Tiefre Schatten fallen ein,
Walther, heimwärts! Deine Zelle,
Ach, die leere, harret dein.

Nicht ganz leer! – Zum Notbedarfe
Tröstung dir dein Stern beschied:
Deine Hausfrau ist die Harfe,
Und dein Kind dein ewig Lied.

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