05.08.2017

Felix Dahn: Gedichte-Der deutsche Flüchtling (8)



Der deutsche Flüchtling

Ich haus' allein im wilden Wald,
Im fernen, fernen Westen;
Den Wolf, den Graubär ungestalt
Hab' einzig ich zu Gästen:
Es nahet mir kein Menschenfuß,
Es grüßet mich kein Freundesgruß: –
Der Sturm pfeift in den Ästen.

Mit Gram seh' ich der Wolken Heer,
Die frei nach Osten streifen:
Die Schwalben, die beneid' ich schwer,
Die heim nach Deutschland schweifen: –
Ich denk', wie, wo der Neckar geht,
Ein Hüttlein dicht in Reben steht,
Dran jetzt die Trauben reifen.

Ich denk', wie nun das Dorf entlang
Sich Kerz' entfacht an Kerzen,
Wie vor der Tür am Wiesenhang
Die blonden Buben scherzen!
Ich denk', wie dort zu dieser Zeit
Die Abendglocke hallet weit: –
Und weh wird mir im Herzen!

Mein einsam Feuer zünd' ich an,
Schau' in die nächt'ge Ferne: –
Hier bleib' ich stets ein fremder Mann,
Fremd sind mir selbst die Sterne:
O säh' ich nur einzigmal
Mein Vaterhaus im Abendstrahl, –
Ich stürbe – ach wie gerne! –

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