2017-08-02

Gedichte von C.M.von Ziegler: Lob der Poesie (19)






Lob der Poesie



Beliebter Zeitvertreib, o schöne Dichter-Kunst!
Du hast mein Hertz geraubt, und wirst auch meine Gunst,
So lange, bis mein Blut in Adern wird erkalten,
Vor aller andern Lust, ich schwehr es dir, behalten.
Wann ich alleine bin, und sich mein Leib verschließt,
So wird mir doch durch dich die Einsamkeit versüßt,
Dieweil dein holder Winck durch tausend artge Sachen,
Mir lange Tage kan zu kurtzen Stunden machen.
Nimmt Unmuth und Verdruß den Kopf mir manchmahl ein,
Weil man nicht allemahl kan froh und muthig seyn,
So weiß Calliope mir tröstlich zuzusprechen,
Die meiner Grillen Dunst und Nebel sucht zu brechen.

Flennt Momus seinen Zahn und treibt mit mir sein Spiel,
So lach ich selbgen aus, ergreiffe meinen Kiel,
Und zeige, daß man mir nur Splittergen will weisen,
Wie groß die Balcken offt in seinen Augen heissen.
Winckt mir denn Cypripor, der, wenn man es nicht denckt,
Sich, nach der Fliegen Art, in unsre Zimmer drängt,
So such ich diesen Gast bey höhnischen Gebehrden
Durch Einwurff und Beweiß im Schreiben loß zu werden.
Mein Phöbus wird mir doch, es giebts der Augenschein,
Weit angenehmer, als der kleine Knabe seyn,
Wer bey den Musen will bemüht und embsig sitzen,
Der läst nach Männern nicht vom Buch das Auge blitzen.
Und stößt mir Kranckheit zu, bist du der Medicus,
Der die Recepte schreibt, und mich curiren muß.
Wer wolte nicht daher mit mir zugleich bekennen,
Du wärst was reitzendes, beliebte Kunst, zu nennen.

Ob Einer Dame erlaubet In Waffen sich zu üben
Wer will nicht nach Verdienst die Amazonin preisen?
Die noch die heutge Welt muß heldenmüthig heissen?
In Männer-Hertzen wohnt nicht Hertz und Muth allein,
Das Frauenzimmer kan auch Heroinen seyn.
Wie viele können uns davon ein Zeugniß stellen,
Die mit behertzter Faust den Feind im Treffen fällen.
Was dort Semiramis, was Fulvia, gethan,
Das hört man Wunders-voll und mit Erstaunen an.
Ismenens Tapferkeit, Zenobiens Beginnen,
Besinget heute noch der Chor der Pierinnen,
Und wie Lädusia den blancken Degen führt,
Das hat schon mancher Kiel vor langer Zeit berührt.
Und mein! wer wolte diß den Frauenvolck verwehren?
Die Pallas, die zu uns nothwendig muß gehören,

Dieweil sie weiblich ist, führt Lantze, Schild und Schwerd,
Zum Zeichen, daß sie diß von andern auch begehrt.
Bellona giebet durch ihr heldenmüthges Wesen,
Als Krieges-Göttin, diß ohnstreitig auch zu lesen,
Lucina schenckt uns nicht das Licht der Welt allein
Daß wir der Liebe bloß die Hertzen solten weyhn.
Die Damen so sich nur in Amors Waffen üben,
Und süssen Zeitvertreib statt edler Arbeit lieben,
Sind Gänse-Blumen gleich gemein und gantz veracht,
Da man hingegen die zu Käyser-Cronen macht.
Mars ist deswegen nicht ein Unhold zu benennen,
Ob gleich sein Auge pflegt vor Wuth und Zorn zu brennen;
Er kan deswegen doch, läst ihm sein Handwerck ruhn,
Mit Frauenzimmer schön und unvergleichlich thun,
So bald er seinen Helm und Küraß hingeschmissen,
So weiß er in der That die Venus so zu küssen,
Daß mancher Spaß-Galan, der doch die Kunst versteht,
Sich überwunden sieht, von ihm beschämet geht.

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