03.08.2017

Gedichte von C.M.von Ziegler: Schertzendes Hochzeit-Gedichte (22)








Schertzendes Hochzeit-Gedichte


Herr Bruder, plagt dich denn der Teufel?
Wie fällt dir denn das Lieben ein?
Ich glaub es sicher ohne Zweifel;
Du weißt, daß wir versprochen seyn,
Und dennoch kanst du dich so wagen;
Es scheint, es ist dir einerley.
Das kan ich nicht von dir vertragen,
Ich läugn es nicht, ich sag es frey.
Laß dich noch von dem Irrthum bringen,
Ich rathe dir recht brüderlich;
Und solt ich tauben Ohren singen,
Selbst das Gesetze hindert dich,
Dein Unternehmen auszuführen:
Wer seines Nächsten Weib begehrt;
Ich will es weiter nicht berühren,
Du weißt, was das Geboth dich lehrt.
Vielleicht kanst du dich nicht besinnen,
Das Sechste meyn ich, liß es nur,
Ach untersuche dein Beginnen,
Und flieh in Zeiten Amors Spur.

Gesetzt, du läßt dich nicht abhalten,
So schlag ich mich noch um die Braut,
Und laß darbey das Schicksal walten;
Mir schauert warlich nicht die Haut.
Pistohl, und Pulver, Bley und Eisen,
Die sollen unser Schiedsmann seyn,
Ich werde tapfer mich erweisen,
Und demnach ist sie noch nicht dein.
Indem ich mich behertzt erzeige,
So fällt der Muth auf einmahl hin,
Ich werde stumm, betrübt und schweige,
Mir schwindet Feuer, Muth und Sinn.
Du darffst nicht nach der Ursach fragen,
Sie wird dir längstens wissend seyn.
Ich darff ja keine Kleider tragen,
Die mit dir kämen überein.
Mein gantz Geschlecht, will es nicht leiden,
Es ist bereits schon ausgemacht.
So will ich dich nicht mehr beneiden,
Ich bin gar nicht mehr aufgebracht.
An statt, daß ich mich mit dir schlage,
So wünsch ich dir so vieles Glück.
Der Himmel zehle deine Tage,
In dem Grad, als wie dein Geschick.
Denn dieses wirst du selber preisen.
Wie hälts, mein sonst geliebtes Weib?

Frau Schwester wird es künfftig heissen,
Bey dem erwehlten Zeitvertreib.
Gedenck sie noch manchmahl zurücke,
Bey ihrer angenehmen Lust,
Und dann und wann auf meine Blicke,
Mein Bild verwahr sie in der Brust.
Wenn sie wird den Geliebten küssen,
So zweiffl ich nicht, sie denckt an mich,
In Hertz und Armen mich zu schliessen,
Das war ihr Wunsch: Erinnert sich
Ihr Geist nicht mehr der schönen Stunden?
Sie liebte meiner Augen-Paar
Was sie bisher an mir gefunden,
Das ihr so liebenswürdig war.
Vielleicht zeigt sich was in der Wiege,
Das mir in etwas ähnlich sieht;
Sobald ich davon Nachricht kriege,
Das meines Bruders Hoffnung blüht;
So will ich warlich Sorge tragen,
Ich stelle mich ihr vors Gesicht,
Ihr Carol soll sich nicht beklagen,
Als führt ich ihm wohl hinters Licht.
Nein, nein, ich bin kein solcher einer,
Der auf verdächtig Naschen hält,
Nur unter Männern ist fast keiner,
Der nicht verehrt die schöne Welt.

Doch dieses darff sie nicht besorgen,
Von meines Bruders Redlichkeit,
Er denckt des Nachts, biß an den Morgen
Auf nichts, als auf Erkäntlichkeit,
Ihr Gunst vor Gegen-Gunst zu schencken,
Er wird auf ihrer Kinder Wohl
Weit mehr, als auf sein eignes, dencken,
Daß sie gewiß selbst rühmen soll.
So schertzt, küst, lacht jetzt um die Wette,
Ihr treu Verliebten, ungesäumt.
Eilt, geht zusammen bald zu Bette,
Was euch zum erstenmahle träumt,
Dasselbe wird die Zeit erfüllen,
Ich bin zwar kein Prophete nicht,
Ists was nach euren Wunsch und Willen,
So wünsch ich, daß es bald geschicht.
Inzwischen bleibt es bey dem Alten,
Allons, stimmt mit mir überein.
Die Freundschafft wird niemahls erkalten,
Ich werde ohnverändert seyn,
Das ich vorlängsten bin gewesen,
Eur gantz ergebner guter Freund.
Aus meinen Minen solt ihr lesen,

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